18. Jänner 2012 09:31

Kapitän Schettino war es zu dunkel 

Telefonprotokolle veröffentlicht

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit! Die Marinetaucher der italienischen Küstenwache sind immer noch auf der Suche nach Überlebenden!

Telefonprotokolle veröffentlicht
© EPA

Gestern begannen die Rettungskräfte mit Unterwassersprengstoff Löcher in das Schiff zu sprengen um besser in den Rumpf vordringen zu können.

Bisher wurden 5 weitere Leichen entdeckt, aber die Hoffnung Überlebende in den einzelnen Luftkammern zu finden lebt nach wie vor.

Indessen wird es für den Kapitän der Costa Concordia immer enger. Jetzt wurden die Telefongespräche von Francesco Schettino mit der Hafenaufsicht veröffentlicht:

 

Freitag, 21:49 Ortszeit:

   Hafenaufsicht (HA): "Concordia, ist alles ok?"

   Francesco Schettino (FS): "Positiv. Wir haben nur eine kleine technische Störung."


   FS: "Wir haben bloß ein technisches Problem. Sobald wir es gelöst haben, werden wir Sie kontaktieren."

   HS: "Wie viele Menschen sind an Bord?"

   FS: "Zwei-, dreihundert." (Anmerkung: Es ist wahrscheinlich, dass das Schiff zu diesem Zeitpunkt, 40 Minuten nach dem Evakuierungsbefehl, noch voll besetzt war). "Ich gehe zurück zur Brücke, um nachzuschauen."

   Samstag, 00:42 Ortszeit

   HA: "Wie viele Menschen müssen (das Schiff) verlassen?"

   FS: "Ich habe den Eigentümer des Schiffes kontaktiert. Er sagt, dass etwa 40 Menschen vermisst werden."

   HA: "Wie kann es sein, dass es nur so wenige Menschen sind? Sind Sie an Bord?"

   FS: "Nein, ich bin nicht an Bord, weil das Schiff untergeht, wir haben es verlassen."

   HA: "Was meinen Sie, Sie haben das Schiff verlassen?"

   FS: "Nein, nicht verlassen - ich bin hier und koordiniere die Rettungsaktion."

   HA: "Was koordinieren Sie da? Weigern Sie sich? Gehen Sie zurück an Bord und koordinieren Sie die Rettungsaktion von dort."

   FS: "Nein, nein, ich weigere mich nicht."

   Samstag, 01:46 Ortszeit

   HA: "Spreche ich mit dem Kapitän?"

   FS: "Ja, ich bin der Kapitän. Ja, hier ist Schettino."

   HA: "Also, Sie kehren jetzt zurück an Bord, gehen die Stufen hoch. Gehen Sie zurück zum Bug und koordinieren sie die Aktion. Lassen Sie mich wissen, wie viele Menschen an Bord sind."

   FS: (schweigt)

   HA: "Kapitän, das Schiff neigt sich zur Seite. Sie müssen zurückkehren und mir sagen, wie viele Menschen an Bord sind - wie viele Passagiere, Frauen und Kinder - und dann von dort die Rettungsaktion koordinieren."

   HA: "Kapitän, bitte."

   HA: "Höflichkeit beiseite, gehen Sie jetzt an Bord. Versichern Sie mir, dass Sie an Bord gehen. Kapitän, das ist ein Befehl, ich befehle das jetzt. Sie haben die Evakuierung des Schiffes angeordnet, begeben Sie sich jetzt zum Bug und koordinieren Sie die Aktion von dort. Es gibt schon Tote."

   FS: "Wie viele?"

   HA: "Das sollten Sie mir sagen!"

   FS: "Kommandeur, aber verstehen Sie, dass es hier dunkel ist und man nichts erkennen kann?"

   HA: "Was wollen Sie tun, nach Hause gehen? Kehren Sie zurück an Bord und sagen Sie mir, was getan werden kann, um wie viele Menschen es geht und was sie brauchen. Jetzt!"

   FS: "Ok, ich gehe."

 




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